b u r k e s . d e
GWG-2008

Geringwertige Wirtschaftsgüter nach der Unternehmenssteuerreform 2008
Foto Burkes

Einleitung

Peter Burkes, Rechtsanwalt, Dozent.
16.1.2008


Dieser Aufsatz beschreibt die neuen Regeln zu den "geringwertigen Wirtschaftsgütern" nach der Unternehmenssteuerreform 2008.

Es richtet sich an vorrangig an Schüler und Auszubildende im Bereich Steuern, in kaufmännischen Bereichen (Fach Buchführung) und an alle Lehrer und Dozenten, die Buchführung oder ähnliches unterrichten. Hilfreich ist der Aufsatz auch für alle, die in der Praxis Geschäftsfälle selbst verbuchen oder verbuchen müssen, gleichgültig ob sie Überschussrechner sind oder die "doppelte Buchführung" nutzen.

Obwohl die neuen Regelungen zu den GWG bereits seit 1.1.2008 in Kraft sind, finden Auszubildende oder Ausbilder wenig hilfreiche Informationen über die Details, so wie sie benötigt werden. Die zahlreichen Beschreibungen im Internet sind vage, ungenau, teilweise falsch (auch auf  Seiten von  Steuerberatern). Wichtige Zusammenhänge werden überhaupt nicht erklärt.

Für Lehrer, die in der Regel keine Steuerfachleute sind (Ausnahmen sind Steuerberater, die nebenberuflich im Bereich der Erwachsenenbildung unterrichten), stellt sich zusätzlich das Problem, wie das Thema schnell  und verständlich dargestellt werden könnte.

In diesem Aufsatz gehe ich davon aus, dass Vorkenntnisse über GWG vorhanden sind, so dass ich den Schwerpunkt auf die Neuregelungen legen kann.

Die Unternehmenssteuerreform 2008

Entsprechend den Usancen in der Praxis verwende ich in diesem Aufsatz die Abkürzung GWG für die im EStG definierten "geringwertigen Wirtschaftsgüter". 

Die Regeln wurden durch die Unternehmenssteuerreform 2008 stark geändert. Die Änderungen traten am 1. Januar 2008 in Kraft.

Der Original-Gesetzestext ist schwer im Internet zu finden. Die beste Anlaufstelle ist die Webseite www.bundesgesetzblatt.de, wo Nichtabonnenten eine Nur-Lese-Version in PDF-Format aufrufen können. Eine Fundstelle wäre die Seite http://www.bgblportal.de/BGBL/bgbl1f/bgbl107s1912.pdf. Diese enthält den im "Bundesgesetzblattes  BGBl  Teil I  Nr. 40 vom 17. August 2007" enthaltenen Abschnitt über das Unternehmenssteuerreformgesetz, beschlossen im August 2007, in Kraft tretend am 1.1.2008.


Dieses Reformgesetz ist aber wenig hilfreich; es enthält nur die Änderungen im Gesetzestext, ohne die Zusammenhänge zu erklären. Außerdem ist es ein Artikel-Gesetz, das nicht den kompletten Wortlaut der geänderten Gesetze, sondern nur die Änderungen an einzelnen Gesetzesstellen anweist.  Das liest sich dann etwa so (hier aus dem ersten Abschnitt über die Änderungen am EStG):


§ 6  (des EStG, Anm. des Verfassers) wird wie folgt geändert


a) Absatz 1 Nr. 5 wird wie folgt geändert:

aa) in Buchsatabe a werden nach dem Wort "ist" ein Komma eingefügt und das Wort "oder" gestrichen.

bb) In Buchstabe b werden der Satz 1 abschließnde Punkt durch ein Komma ersetzt sowie anschließend das Wort "oder" und folgender buchstabe c angefügt:

"c) ein Wirtschaftsgut im Sinne des § 20 Abs. 2 ist"


b) Absatz 2 wird wie folgt geändert:

....


Deshalb ist, wie üblich, Literatur notwendig, die die neue Regelung im Gesamtzusammenhang aufbereitet und erklärt. Mit dem Text des Reformgesetzes alleine können Sie nicht arbeiten.


 Zeitliche Anwendung:

§ 6 Abs. 2 und 2a EStG sind erstmals bei Wirtschaftsgütern anzuwenden, die nach dem 31.12.2007 angeschafft, hergestellt oder in das Betriebsvermögen eingelegt werden (§ 52 Abs. 16 Satz 17 EStG). Auf das Wirtschaftsjahr des Unternehmens kommt es also auch hier nicht an.

Das EStG in seiner neuen Fassung

Inzwischen ist das Ergebnis der Korrekturen, also der neue GEsamtwortlaut des EStG, erarbeitet und veröffentlicht worden. Man findet die neue Fassung des EStG (bzw. für 2008 geltende Fassung) z.B. im Internet unter

http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__6.html

Die  Unterscheidung zu der vorangegangenen FAssung drückt die FAchliteratur mit dem Zusatz  n.F. (neue Fassung) aus, die alte Version durch den Zusatz a.F. (alte Fassung).  Die für die GWG einschlägige Vorschrift ist in § 6 Abs. 2 und 2a enthalten. § 6 EStG enthält das gesamte Abschreibungssystem und damit auch die Regelungen über die (in der Praxis so genannten) GWGs.

Auszug aus EStG § 6 n. F.

2) 1Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder der nach Absatz 1 Nr. 5 bis 6 an deren Stelle tretende Wert von abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind, sind im Wirtschaftsjahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage des Wirtschaftsguts oder der Eröffnung des Betriebs in voller Höhe als Betriebsausgaben abzusetzen, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag (§ 9b Abs. 1), oder der nach Absatz 1 Nr. 5 bis 6 an deren Stelle tretende Wert für das einzelne Wirtschaftsgut 150 Euro nicht übersteigen.2Ein Wirtschaftsgut ist einer selbständigen Nutzung nicht fähig, wenn es nach seiner betrieblichen Zweckbestimmung nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens genutzt werden kann und die in den Nutzungszusammenhang eingefügten Wirtschaftsgüter technisch aufeinander abgestimmt sind.3Das gilt auch, wenn das Wirtschaftsgut aus dem betrieblichen Nutzungszusammenhang gelöst und in einen anderen betrieblichen Nutzungszusammenhang eingefügt werden kann.

(2a) 1Für abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind, ist im Wirtschaftsjahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage des Wirtschaftsguts oder der Eröffnung des Betriebs ein Sammelposten zu bilden, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um einen darin enthaltenen Vorsteuerbetrag (§ 9b Abs. 1), oder der nach Absatz 1 Nr. 5 bis 6 an deren Stelle tretende Wert für das einzelne Wirtschaftsgut 150 Euro, aber nicht 1.000 Euro übersteigen.2Der Sammelposten ist im Wirtschaftsjahr der Bildung und den folgenden vier Wirtschaftsjahren mit jeweils einem Fünftel gewinnmindernd aufzulösen.3Scheidet ein Wirtschaftsgut im Sinne des Satzes 1 aus dem Betriebsvermögen aus, wird der Sammelposten nicht vermindert.

Die Änderungen im Überblick

An dem Begriff  "GWG" hat sich nichts  geändert (s.a. BGBl, Printseite 1914). Es geht um

"abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind".

Geändert hat sich, grob geschildert:
  1. Der Grenzwert von bisher 410 Euro wurde auf 150 Euro abgesenkt; alles bis einschließlich 150 Euro ist GWG
  2. Die darüber liegenden Werte werden bis zu 1.000 Euro gesondert behandelt und im Poolverfahren auf pauschal 5 Jahre abgeschrieben
  3. Alle anderen Werte über 1000 Euro werden wie üblich behandelt
  4. Es besteht kein Wahlrecht mehr, ob man GWG normal abschreibt oder im Anschaffungsjahr voll abschreibt (bisher oft übersehen). GWG (bis einschl. 150 Euro) müssen immer voll abgeschrieben werden.
  5. Die Pflicht zur gesonderten Erfassung von GWGs fällt weg

Die Änderung bezieht sich nur auf die Abschreibung bei den

drei selbständigen Einkunftsarten des EStG, also Einkünfte aus Land- und Fortwirtschaft, aus Gewerbe oder aus selbständiger Arbeit.  Ob Buchführungspflicht besteht oder durch Überschussrechnung abgerechnet wird, spielt keine Rolle

Die Änderung bezieht sich nicht auf Abschreibungen im Rahmen der sonstigen vier Einkunftsarten.

Gemeint sind vor allem die  Werbungskosten bei Arbeitnehmern ("Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit") und bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung. Es bleibt hier bei der 410-Euro Regelung (GWG bei Anschaffungskosten bis 410 Euro). Die Kameraausrüstung des unselbständigen Zeitungsredakteurs wird also nach den alten Regeln auf die Jahre der Nutzungsdauer verteilt, es sei denn, sie kostete nur bis 410 Euro; dann kann sie im Jahr der Anschaffung voll abgeschrieben werden. Es bleibt bei der alten GWG-Grenze und bei dem Wahlrecht zwischen Vollabschreibung oder normaler Abschreibung.

Bisheriges Recht

Bisher galt

Bewegliche abnutzbare Güter des Anlagevermögens  im Wert bis einschließlich 410 Euro bezeichnete man als GWG. Sie hatten einen steuerrechtlichen Sonderstatus.

Sie konnten im Jahr der Anschaffung voll abgeschrieben werden. Dies war von jeher ein Wahlrecht; der Steuerpflichtige konnte auch die normale Abschreibung wählen und die Kosten entsprechend den AfA-Tabellen auf die Jahreder Nutzungsdauer verteilen.

Es musste eine gesonderte Aufzeichnung über diese Gegenstände geben. Daher wurde innerhalb der Buchführung ein eigenes Konto "GWG" geführt, da damit auch gleich die Aufzeichnungspflicht mit erledigt wurde. Auf dieses Konto wurden alle GWG verbucht, statt sie in die entsprechenden Konten des Anlagevermögens (Maschinen, Fuhrpark, BGA) zu buchen.

Bei Anschaffungen bis zu 60 Euro war das der Finanzverwaltung zu viel Aufwand. Die ESt-Richtlinien (nicht das Gesetz!) sah deshalb vor, dass hier die Aufzeichnungspflicht entfällt, was wiederum dazu führte, dass man im Rahmen der Buchführung diese Güter wieder gesondert behandelte. Statt sie auf GWG zu buchen, was natürlich auch möglich war, konnte man sie auch direkt abschreiben oder auf ein Aufwandskonto verbuchen. Gesetzlich handelte es sich aber um ganz normale GWG wie alle anderen Güter bis einschließlich 410 Euro. Das Gesetz selbst kennt diese Grenze nicht.

Es galt also:

im Gesetz:

  • 0 bis 410 Euro: GWG; konnte voll abschgeschrieben werden.
  • ab 410,01 Euro: normale Abschreibung

in der Buchhaltung bzw. in der Praxis:

  • 0 bis 60 Euro: Sofort abschreibbare GWG, die man nicht auf das Konto "GWG" buchen musste,
  • 60,01 Euro bis 410 Euro: GWG, das man auf das Konto  "GWG" oder eines von mehreren GWGs  buchte.
  • ab 410,01 Euro: normale Abschreibung, keine GWG

Diese Regelung gilt nach wie vor für die nichtselbständigen Einkunftsarten

Tipp für Lehrer und Autoren

Machen Sie nicht den Fehler, den ich in vielen Publikationen sehe. Dort werden oft die Grenzen angegeben, ohne klarzustellen, wo der nächste Bereich beginnt. Gewöhnen Sie sich an, die Grenzen verständlicher zu formulieren.

Beispiel:

Güter, deren Anschaffungswert 410 Euro "nicht übersteigen"

So die üblichen Gesetzesformulierungen, verwirrend und schwer merkfähig. BessereFormulierungen wären:

  • Güter im Wert "bis einschließlich" 410 Euro
  • oder, wenn man den Bereich darüber nennen will: Güter im Wert ab 410,01 Euro.

Nicht korrekt, da unlogisch:

bis 410 Euro: so und so zu behandeln
ab 410 Euro: nächste Stufe

Einzelheiten zur Neuregelung

Es betrifft wieder die Abschreibung von "abnutzbaren beweglichen Gütern des Anlagevermögens".

1. Grenzwerte
  • Bei einem Wert bis einschließlich 150 Euro müssen die Güter als "GWG" voll abgeschrieben werden.
  • Bei einem Wert von 150,01 Euro bis einschließlich 1.000 Euro werden die Güter im Wege eines "Pool-Verfahrnes" auf 5 Jahre abgeschrieben
  • Bei einem Wert ab 1.000,01 Euro werden sie völlig normal abgeschrieben.

Hier beginnen bereits die Probleme für Leser, Autoren und Dozenten.  Denn ob Güter im Wert von 150,01 bis 1.000 Euro noch GWG genannt werden können bzw. sollen,  ist unklar und gesetzlich nicht festgelegt. Entsprechend verwirrt ist man, wenn es heißt

"Die GWG-Grenze ist von 410 Euro auf 150 Euro abgesenkt worden" und im Verlaufe des Textes heißt es "GWG im Wert von 410 bis 1000 Euro ..."
Die Sprachverwirrung finden sich auch in zahlreichen  IHK-Veröffentlichungen und sogar in Wikipedia. Dort wird eingangs klar definiert, dass  GWGs Güter im Nettoanschaffungswert bis 150 Euro sind (Stand Mitte Januar 2008). In einem späteren Abschnitt heißt es: "Geringwertige Wirtschaftsgüter, die nach dem 31. Dezember 2007 angeschafft oder hergestellt werden und deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten 150 Euro, aber nicht 1.000 Euro übersteigen, sind ..."

MAn kann  nicht von einer Absenkung der GWG-Grenze auf 150 Euro und gleichzeitig von GWG zwischen 150 und 1000 Euro sprechen, da dies die Leser oder Lernenden verwirrt. .Dies ist nicht weiter schlimm, sofern man sich darüber klar geworden ist. Die Praxis wird sich aber besinnen müssen, dass sie den Begriff neu definiert oder sich in anderer Weise klarer ausdrückt.

Das Gesetz schreibt hier nichts vor. Man könnte also künftig von zwei GWG-Arten oder GWG-Stufen sprechen.

2. Aufzeichnungspflicht

Die Aufzeichnungspflicht für GWGs entfällt (Aufhebung von § 6 Abs. 2 Satz 4 und 5 EStG).  Die lästige 60,00 Euro-Grenze ist hinfällig, ebenso der zugehörige Abschnitt der ESt-Richtlinien. Alle GWG bis einschließlich 150 Euro können einheitlich verbucht werden, gleichgültig ob auf ein Zwischenkonto GWG, oder über Direktabschreibung.

Wegen der Absenkung der GWG-Grenze auf  150 Euro wird auf diese besonderen Aufzeichnungspflichten vollständig verzichtet. Dies gilt sowohl für Bilanzierende als auch für Steuerpflichtige, die den steuerlichen Gewinn nach Maßgabe von § 4 Abs. 3 EStG ermitteln. In der Anlage EÜR dürften damit solche Aufwendungen künftig nicht mehr im Anlagespiegel aufzuführen sein.

3. Wahlrecht

Die  GWGs müssen künftig voll abgeschrieben werden. Es gibt kein Wahlrecht mehr (§ 6 Abs. 2 EStG neue Fassung)

Das bisherige Wahlrecht gibt es nicht mehr. Für die GWG bis 150 EUR ist die Sofortabschreibung nun zwingend vorgeschrieben wird ("ist" statt "können" in § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG). 

Ob man sie trotzdem ein auf spezielles GWG-Konto zwischenbucht, wäre technisch möglich; die meisten Kontenpläne sehen aber sowieso ein Konto "Abschreibung auf GWG" vor, das man sofort benutzen wird.

4. Sammelposten für GWG von mehr als 150 Euro bis 1000 Euro (§ 2a EStG neue Fassung)

Das neue Poolverfahren: Bewegliche abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit Anschaffungskosten von 150,01 Euro bis einschl. 1.000 müssen  in einen wirtschaftsjahresbezogenen Sammelposten (die Praxis nennt es "Pool") eingestellt werden.   Dieser SAmmelposten ist über 5 Jahre abzuschreiben.

Ew ist dabei unwichtig, ober der Gegenstand eine kürzere oder längere Nutzungsdauer hat. Ein Gerät, das nach 3 Jahren wertlos ist, aber in diesem Pool ist, wird damit faktisch auf 5 Jahre abgeschrieben.

Was kürzere Nutzungsdauer betrifft, drückt es das Gesetz so aus: "Scheidet ein Wirtschaftsgut im Sinne des Satzes 1 aus dem Betriebsvermögen aus, wird der Sammelposten nicht vermindert.".

Die Poolabschreibung

GWGs der zweiten Stufe (150,01 bis 1.000) werden wie gesagt in einem Pool zusammengefasst. In den Veröffentlichung liest man auch von der "Pool-Lösung" oder der " Gruppenbewertung".

Jeder Pool wird wie ein einzelnes Wirtschaftsgut behandelt und über einen Zeitraum von 5 Jahren linear abgeschreiben, unabhängig von Veräußerungen, Entnahmen oder vorzeitigen Wertminderungen.

AfA-Satz

Man kann auch von einem AfA-Satz von 20% sprechen.

Kein Wahlrecht

Auch die Poolabschreibung ist zwingend. Dies drückt der Gesetzgeber, entsprechend üblicher Gesetzessprache, durch die Worte "ist zu ..." aus. Es besteht also ein "Zwang zur Gruppenbewertung"

Zeitanteilige Abschreibung fällt weg

Der Sammelposten hat den Vorteil, dass auch im Erstjahr keine zeitanteilige Berechnung der AfA erfolgen muss. Unabhängig vom Anschaffungszeitpunkt wird für die im Sammelposten enthaltenen Wirtschaftsgüter damit auch im Erstjahr immer eine AfA von einem Fünftel der Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten gewährt.

Handelsrechtliche Akzeptanz:


Einige Zeit war fraglich, ob die Poolabschreibung den handelsrechtlichen Anforderungen, Vermögensgegenstände vollständig auszuweisen (§ 246 Abs. 1 HGB), entspricht.

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat mittlerweile für den handelsrechtlichen Ansatz grünes Licht gegeben: Der steuerliche Poolwert wird auch handelsrechtlich anerkannt, wenn er von untergeordneter Bedeutung ist. Die Verlautbarung des IDW ist ist z.B.  hier abrufbar.

Computer und Abschreibung

Ein äußerst unbeliebtes Problem bim Kauf von EDV-Geräten war, dass Praxis und  Rechtsprechung davon ausgingen, dass Peripheriegeräte wie  kein Drucker, Scanner oder Tastatur nicht selbständig nutzbar seine, somit von vornherein kein GWG sein können (Ausnahmen: All-In-One-Gerät oder Faxgerät ).  Der Drucker musste ormal abgeschrieben werden, auch wenn er nur 200 Euro kostete. Diese Rechtsprechung ist jetzt eher von Vorteil ("Glück im Unglück"), denn die meisten Anschaffungen liegen im Bereich der Sammelbewertung. Bei Einstufung als GWG hätten sie künftig zwingend auf 5 Jahre abgeschrieben werden. Da sie dort angeblich nicht hingehören, kann man sie entsprechend den AfA-Tabellen weiterhin auf drei Jahre abschreiben.

Nachtrag für die GWG-Rechtslage ab dem 1.1.2010

Die hier geschilderte GWG-Regelung gilt auch über den 31.12.2009 hinaus, wird aber durch eine weitere Möglichkeit ergänzt:

Ab 01.01.2010 besteht ein Wahlrecht je Wirtschaftsjahr für geringwertige Wirtschaftsgüter. Danach können Wirtschaftsgüter nach § 6  Abs. 2 EStG mit Anschaffungskosten bis 410 € netto im Jahr der Anschaffung sofort abgeschrieben werden.

Wenn die Anschaffungskosten unter 150 € liegen, kann das Wirtschaftsgut sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden.

Die Pflicht zur Aufzeichnung in ein entsprechendes Verzeichnis für Wirtschaftsgüter von 150,01 € bis 410 € wurde dabei wieder eingeführt.

Alternativ kann weiterhin die Regelung zum Sammelposten nach § 6 Abs. 2 a EStG angewendet werden. Wichtig ist es dabei zu beachten, dass pro Wirtschaftsjahr für jedes neuangeschaffte Wirtschaftsgut, die gleiche Regel anzuwenden ist. Das heißt, wenn Sie für ein Wirtschaftsgut die 410 € Regel anwenden, müssen Sie diese für alle weiteren Wirtschaftsgüter in diesem Geschäftsjahr anwenden. Ein Wechsel innerhalb des Jahres zum Sammelposten wäre dann nicht möglich.

 

Überschusseinkunftsarten

Keine Änderung der Gesetzeslage liegt jedoch bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalvermögen, nicht selbstständiger Arbeit und den sonstigen Einkünften vor. Bei diesen Überschusseinkünften wird weiterhin eine Grenze von 410 € angesetzt.

(Nachtrag verfasst am 7.1.2010)